Huntington News

Zeitungen und Medien

Tagtäglich werden wir von ihren Stimmen begleitet. In den Nachrichten, im Radio, in der Werbung, im Kino: Leute, die das Sprechen von Texten zu ihrem Beruf gemacht haben. Doch wie kommt man überhaupt zu einem solchen Job und wer ist zum Sprecher geeignet? Solche und weitere Fragen sollen im Folgenden beantwortet werden.

Das wichtigste vorweg: Sprecher ist nicht gleich Sprecher. Nachrichtensprecher sollen seriös und glaubwürdig wirken, in den Stimmen eines Werbespots muss die unglaubliche Freude mitschwingen, die das Kaufen des beworbenen Artikels auslöse und Synchronsprecher brauchen ein großes schauspielerisches Talent. Stimmen sollen aber vor allem eines sein: charakteristisch und unverwechselbar.

Wie wird man Sprecher?

Dass jeder, der Sprecher werden möchte, erst einmal eine Schauspielausbildung und dann noch eine Zusatzausbildung im Sprechen absolvieren muss, ist ein Mythos. Natürlich hilft es, da bei diesen Ausbildungen Hintergrundwissen vermittelt wird und sie dem einzelnen helfen, die individuellen Möglichkeiten und Grenzen seiner Stimme auszuloten. Jedoch lassen sich die Sprecher, die einzig von dieser Arbeit leben können, an einer Hand abzählen. Für die Mehrzahl ist das Sprechen ein zweites Standbein neben einem anderen Beruf. Denn die Marktanforderungen sind hoch. Eine charakteristische Stimme, die bereits mit einem Produkt assoziiert wird, weil sie die Werbung dafür gesprochen hat, wird selten für einen zweiten Werbespot eines anderen Produkts gebucht. Daher sind Tonstudios ständig auf der Suche nach neuen, “unverbrauchten” Stimmen. Um diese zu finden, veranstalten sie regelmäßig Sprechercastings, zu denen sich jeder anmelden kann. Für beste Vergleichbarkeit sprechen alle Kandidaten den selben Text, den sie erst im Studio erhalten. Wichtig für Erfolg bei einem solchen Sprecher Casting ist, sich seiner Stärken bewusst zu sein und diese zu demonstrieren, denn nicht jeder Sprecher kann alles sprechen. Jedoch sollten Kandidaten in der Lage sein, gut auf Regieanweisungen zu reagieren und auf Kommando Aussprache, Stimmung oder Betonung zu ändern.

Die verschiedenen Berufsbilder

Manfred Lehmann gehört zu den bekanntesten Sprechern in Deutschland - Foto: Sven Wolter

Nachrichtensprecher. Wie bereits festgestellt, sind Merkmale eines guten Nachrichtensprechers Seriosität und Glaubwürdigkeit. Darüber hinaus wird eine klare, akzentfreie Aussprache und sachlicher, emotionsneutraler Umgang mit der Thematik verlangt. Meist haben Nachrichtensprecher einen festen Vertrag mit dem Sender und dürfen nicht für andere Auftraggeber tätig werden. Somit findet eine Identifikation der Stimme und im Fernsehen auch des Gesichts mit einer bestimmten Sendung statt. Sprecher wie Ulrich Wickert, Peter Klöppel, Eva Herrmann oder Gundula Gause erscheinen uns wie alte Bekannte, da sie uns jeden Abend über das Tagesgeschehen unterrichten.

Synchronsprecher. Menschen, die diesen Beruf ausüben möchten, müssen über ein gewisses schauspielerisches Talent verfügen, um in der Lage zu sein, sich ganz mit der Figur zu identifizieren, die sie synchronisieren. Außerdem gilt es, den übersetzten Text den Lippenbewegungen und Sprechzeiten des Originals anzupassen, ohne dabei den Inhalt zu verfälschen. Ist ein bekanntes Hollywoodgesicht einmal mit einer deutschen Stimme ausgestattet, wird diese meist nicht mehr ausgewechselt. Bekannte Beispiele sind Wolfgang Hess, der seine Stimme an Größen wie Bud Spencer, Tommy Lee Jones, Charles Bronson oder Obelix verleiht; Manfred Lehmann, der Bruce Willis, Gérard Depardieu und die bekannten Werbespots des “Praktiker”-Baumarkts spricht; oder Ulrike Stürzbecher, die Stimme von Kate Winslet und Jennifer Aniston.

Radiomoderator. Die Aufgabe des Radiomoderators ist vor allem, sich selbst zu präsentieren und dem Sender ein “Gesicht’” zu verleihen. Wichtig hierbei ist, seinen eigenen Stil zu finden und diesem treu zu bleiben.

Werbesprecher. Dies ist der bestbezahlte Zweig des Sprecherberufs. Doch die Anforderungen sind entsprechend hoch: ständige Erreichbarkeit und Verfügbarkeit sowie hohe Wandelbarkeit und trotzdem Originalität werden vorausgesetzt. Als Werbesprecher muss man sich immer wieder neu erfinden, um im Geschäft bleiben zu können.

Sprechen kann also jeder, der sprechen kann! Interessierte, die glauben, über eine Stimme mit Potenzial zu verfügen, sollten es auf einen Versuch ankommen lassen und sich zu einem Sprechercasting anmelden.

Comments are closed.